LIAM DAHL UX Research & Product Optimization
Greybox

Greybox – Detaillierte Projektübersicht

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Greybox

Ein physisches Detox-Gerät, das Menschen dazu bringt, das Handy wirklich liegen zu lassen.

Greybox ist ein eigenständiges Gerät mit LED-Ring, Display und Drehregler. Man legt sein Smartphone in die Erkennungszone, stellt eine Fokusdauer ein und startet. Greift jemand während der Session in die Zone, reagiert das Gerät sofort: rotes Licht, Ton, und die Zeit verlängert sich. Die Konsequenz ist physisch spürbar statt wegwischbar.


Auf einen Blick

RolleSolo – Konzeption, Interaktionsdesign, Hardware-Prototyp, 3D-Modell, Web-Demo
ZeitraumOkt 25 - Feb 26
KontextSemester Modul zu Mensch Maschinen Kommunikation
MethodikDesign Solutions: Konzeptuelle Modellierung → Informationsarchitektur → Interaktionsarchitektur → Interface-/Informationsdesign → Sensorisches Design
ToolsFigma, Arduino, Autodesk Fusion 360, Astro, Tailwind CSS, Obsidian
ErgebnisFunktionsfähiger Hardware-Prototyp + interaktive Web-Demo + dokumentierter Designprozess

Meine drei wichtigsten Beiträge

  1. Ein vollständiges Interaktionsmodell aus Nutzungskontextanalyse abgeleitet
    • von der Anforderungsermittlung bis zur maschinenlesbaren State-Logik.
  2. Ein Feedbacksystem entworfen: Licht, Ton und Zeit als Sprache des Geräts.
  3. Das Konzept in drei Medien überführt: Arduino-Prototyp, 3D-Modell, interaktive Web-Demo.

01 Problem & Ausgangslage

Warum Software-Lösungen hier nicht reichen

Digitale Fokus-Apps scheitern an einem strukturellen Problem: Sie laufen auf genau dem Gerät, von dem sie ablenken sollen. Jede Sperre ist zwei Taps entfernt vom Umgehen. Es gibt keine soziale und keine körperliche Reibung.

Greybox verlagert die Kontrolle deshalb aus dem Smartphone heraus in ein separates physisches Objekt. Die Regel gilt nicht mehr, weil eine App sie durchsetzt, sondern weil ein Gerät auf dem Tisch sichtbar mitzählt.

Was ich betrachte und was bewusst nicht

  • Im Scope: das Gerät selbst, seine Zustandslogik, sein sensorisches Feedback, die Erkennungszone
  • Schnittstellen: Smartphone als abzulegendes Objekt
  • Bewusst ausgeschlossen: Cloud-Sync, Nutzerkonten, Statistik-Auswertung über längere Zeit

02 Nutzungskontextanalyse

Wer nutzt so ein Gerät und wozu?

Erhebung des Nutzungskontexts nach ISO 9241-210 entlang von vier Dimensionen: Benutzer, Aufgaben & Ziele, Umgebung, Ressourcen.

Durchführung von 4 Interviews.

Hauptpersona

Mara Hellwig, 22, Studentin Technik-Niveau: hoch, Smartphone dauerhaft griffbereit

Mara arbeitet an ihrer Hausarbeit und merkt, dass sie alle paar Minuten reflexartig zum Handy greift, ohne erdenklichen Anlass, sondern eher Reflexartig. Fokus-Apps hat sie ausprobiert und nach zwei Tagen deaktiviert. Sie sucht keine Motivationshilfe, sondern eine Hürde, die sie nicht in zwei Sekunden wegklicken kann.

Aufgabenmodell – Hauptaufgabe

BenutzergruppeStudierende / Wissensarbeitende
AufgabeUnunterbrochen fokussiert arbeiten
VorbedingungNutzer sitzt am Schreibtisch, Smartphone liegt außerhalb der Hand-Zone
Teilaufgaben1) Modus wählen
2) Fokusdauer einstellen
3) Session starten
4) Zone während der Session nicht betreten
5) Bei Störung: Feedback und Zeitstrafe verstehen
6) Session-Ende abwarten und Objekt entnehmen
NachbedingungDer Nutzer hat eine ablenkungsfreie Arbeitsphase abgeschlossen

Nutzungsszenario

Mara startet eine 25-Minuten-Session. Der LED-Ring pulsiert ruhig. Nach sieben Minuten greift sie reflexartig in die Zone – der Ring blinkt rot, ein kurzer Ton, der Timer verlängert sich um 30 Sekunden. Sie zieht die Hand zurück. Als die Zeit abgelaufen ist, wechselt der Ring auf ruhiges Pulsieren: Die Box wartet jetzt darauf, dass sie das Handy bewusst entnimmt.


03 Anforderungen

Aus Nutzungskontextanalyse und Aufgabenmodell habe ich Erfordernisse abgeleitet und in prüfbare Nutzeranforderungen überführt.

Beispiel für die Ableitung

Erfordernis: Der Nutzer muss merken, dass eine Störung Konsequenzen hat. Nutzeranforderung (NA7/NA8): Der Benutzer muss am System erkennen können, dass eine Störung registriert wurde und welche Konsequenz das auslöst.

Auszug aus dem Anforderungskatalog

IDAnforderung
NA1Der Benutzer muss erkennen können, welcher Modus verfügbar ist.
NA2Der Benutzer muss auswählen können, welcher Modus aktiviert wird.
NA3Der Benutzer muss erkennen können, wo die Zeit eingestellt wird.
NA4Der Benutzer muss auswählen können, wie lang die Session dauert.
NA5Der Benutzer muss erkennen können, wo der Start-Befehl ausgeführt wird.
NA7Der Benutzer muss erkennen können, wenn eine Störung registriert wurde.
NA8Der Benutzer muss erkennen können, welche Konsequenz ausgelöst wurde.
NA9Der Benutzer muss erkennen können, wann die Session beendet ist.
NA10Der Benutzer muss am System erkennen können, dass der Timer bei 0
NA11Der Benutzer muss am System erkennen können, dass jetzt der Gegenstand entnommen werden darf.
NA12Der Benutzer muss erkennen können, welcher Platz/Teilnehmer verstöße hatte (optional).

Interaktionsspezifikation

TeilaufgabeHandlung des BenutzersReaktion des SystemsNA
Modus wählenWählt Timer oder ReminderDisplay markiert AuswahlNA1, NA2
Dauer einstellenDreht den EncoderZeit und LED-Preview aktualisieren sichNA3, NA4
Session startenDrückt den EncoderCountdown startet, LED-Ring pulsiertNA5, NA6
StörungGreift in die ZoneRing wird rot, Ton, Zeit verlängert sichNA7, NA8
Session-EndeWartet bis 00:00Ring wechselt in Warte-PulsNA9, NA10
EntnahmeNimmt das Objekt aus der ZoneSensor erkennt Entnahme, System springt zurückNA11

04 Informationsarchitektur

Aufgabenobjekte statt Screens

Die Architektur ist nicht aus Bildschirmen gedacht, sondern aus den Objekten, mit denen der Nutzer tatsächlich umgeht. Daraus ergeben sich Attribute, ausführbare Funktionen und die Navigationsstruktur.

AufgabenobjektAttribute (Auszug)Funktionen (Auszug)
Fokus-SessionModus, geplante Dauer, Restzeit, Verlängerung gesamt, Anzahl Verstöße, Statuseinstellen, starten, pausieren, fortsetzen, abbrechen
Zone (LED-Ring)Zonenstatus, LED-Farbe, Sensorstatusüberwachen, Störung erkennen, Feedback ausgeben
RegelsetVerlängerung pro Störung, Feedbacktyp, Strenge-Stufeauswählen, anpassen
FeedbackelementArt, Intensität, BedeutungWarnsignal, Erfolgssignal, Statusanzeige

05 Interaktionsarchitektur

Die State-Logik als Kern des Geräts

Das gesamte Verhalten ist auf fünf Zustände reduziert. Jeder Zustand definiert genau, was der Nutzer sieht, was er darf und was er bewusst nicht darf.

BOOT ──click──► SET ──click──► RUN ──0:00──► WAIT ──Entnahme──► SET
                                  │  ▲
                              click│  │click
                                  ▼  │
                                 PAUSE
ZustandZweckNutzer siehtNutzer darfNutzer darf nicht
BOOTEinstiegClick to STARTklickenZeit ändern
SETZeit wählenMM:00, LED-Previewdrehen, klickenpausieren
RUNCountdownRestzeit, LED-Progresspausieren, Reset (long-press)Zeit ändern
PAUSEUnterbrechen ohne ResetRestzeit eingefrorenfortsetzen, ResetZeit ändern
WAITSperrzustand nach Ablauf00:00, ruhiger PulsObjekt entnehmenper Tastendruck raus

Zwei Regeln, die das System tragen

  1. Input-Regel: Zeit lässt sich ausschließlich in SET ändern. Kein Zustand kann sich selbst untergraben.
  2. Exit-Regel: WAIT endet nur durch ein reales Ereignis am Sensor, nie durch einen Knopfdruck. Sonst wäre das ganze Konzept optional.

Zwei Modi

  • Timer: Nutzer stellt eine Fokusdauer ein, das Gerät zählt herunter.
  • Reminder: Über das RTC-Modul löst das Gerät zu festen Uhrzeiten aus

06 Interface- & sensorisches Design

Ein Gerät, das ohne Text auskommt

Das Display trägt nur die nötigsten Informationen. Die eigentliche Kommunikation läuft über den LED-Ring, den Ton und die Zeit selbst.

SignalBedeutung
Ruhiges PulsierenSession läuft, alles in Ordnung
Abnehmender RingFortschritt – wie viel Zeit noch bleibt
Rotes Blinken + TonStörung erkannt, Zeit wurde verlängert
Ruhiger Puls bei 00:00Fertig, aber noch gesperrt – Entnahme erforderlich

Gestaltungsentscheidungen

  • Ein einziges Bedienelement (Drehen + Drücken) statt Tastenfeld: weniger Lernaufwand, weniger Fehlbedienung.
  • Strafe als Zeit, nicht als Punktzahl: Die Konsequenz trifft genau die Ressource, um die es geht.
  • Keine Erfolgsmeldungen, kein Gamification-Layer: Das Gerät belohnt nicht, es hält nur den Rahmen.

07 Prototyp & Umsetzung

Hardware

KomponenteFunktion
Mikrocontroller Steuerung der State-Logik
LED-RingZonendarstellung, Fortschritt, Feedback
DisplayTimer, Modus, Zustandshinweis
Rotary EncoderZeit einstellen, bestätigen, pausieren
RTC-ModulZeitbasis für den Reminder-Modus
SensorikErkennung von Belegung und Störung in der Zone
Buzzerakustisches Warn- und Abschlusssignal

3D-Modell

Gehäuse in Autodesk Fusion 360 modelliert – Zonenfläche, LED-Aussparung und Displayträger als eigene Körper, um Licht und Anzeige sauber zu trennen.

Das Gehäuse bestand aus Holz.

  • Das Grundgehäuße (unterer Teile) aus Massiverem Holz, wie von einer Kiste
  • Der oberer Teil, für das Display bestand aus dünnerem, Lasergeschnittenem Material.

Alle Bauteile wurden miteinander verklebt und Zusammen genagelt.

Interaktive Web-Demo

Die vollständige State-Logik ist als Web-Demo nachgebaut, sodass sich das Gerät ohne Hardware bedienen lässt. Umgesetzt in Astro und Tailwind CSS mit beiden Modi und der kompletten Zustandsmaschine.

🔗 https://pixelninja0.github.io/greybox-demo/


08 Ergebnis & Reflexion

Was entstanden ist

  • Ein funktionsfähiger Hardware-Prototyp mit vollständiger Zustandslogik
  • Ein 3D-Modell des Gehäuses
  • Eine interaktive Web-Demo
  • Eine durchgängige Dokumentation vom Nutzungskontext bis zur Umsetzung

Was ich gelernt habe

  • Das Zusammenbauen war gar nicht einfach. Vor allem der Teil mit dem Sensor
  • Das code war anfangs noch überschaubar, verlor über zeit jedoch an Übersicht

Was ich anders machen würde

  • Mir mehr Zeit mit dem Bauen einplanen.
  • Den von Anfang an gut Strukturieren

Nächste Schritte

  • Die nächsten Schritte wären, aus dem Prototypen ein fertiges Produkt zu bauen, weitere Nutzergruppen hinzuziehen und eine Aufwändigere Usability Studie durchführen.
  • Für den Rahmen des Projekts bildet der Prototyp jedoch das Ende.

Anhang

Diese Seite ist eine verdichtete Übersicht. Die ausführliche Prozessdokumentation mit allen Zwischenständen, Anforderungen und Iterationen liegt auf Anfrage separat vor.